Donnerstag, 23. April 2015

.....Die eigenen Grenzen kennen und rechtzeitig erkennen....

In den letzten Wochen und Monaten habe ich einige interessante Erfahrungen gemacht und machen müssen und habe wieder und wieder feststellen müssen wie viel Kraft es doch manchmal kostet Dinge zu tun die für Nichtautisten selbstverständlich sind. Der Versuch das Leben möglichst spontan zu organisieren ist nichts für mich und ich bleibe lieber bei meiner alltäglichen Routine auch wenn sie manchmal durcheinander gebracht wird. Damit kann ich sehr viel besser umgehen als so in den Tag hinein zu leben und zu schauen was kommt. Ich habe einige Dinge ausprobiert und gemerkt, dass es mich ganz schnell an meine Grenzen bringt.
Zur Zeit lese ich wann immer es meine Zeit erlaubt (leider im Moment wieder etwas weniger) Berichte über Autismus Spektrum Störungen, vor allem über das Asperger Syndrom usw. und Posts anderer Blogger. Ein weit verbreiteter, in meinen Augen Irrtum, ist es ja das viele Nichtautisten denken das wir nur Dinge wahrnehmen die uns selbst betreffen und uns nur für Gegenstände interessieren. Im Gegenteil, denn bei mir ist es so das ich sehr viel von anderen Menschen und aus der Umgebung wahrnehme und das wiederum in eine Art Reizüberflutung müdet. Dieser Reizüberflutung kann ich nur entgehen, wenn ich mich z.B. auf Details konzentriere (d.h. ich fokussiere meine Gedanken auf eine bestimmte Sache,  um mich vor einem Overload (Reizüberflutung) zu schützen. Das ist vor allem in Situationen notwendig aus denen ich mich nicht so schnell oder eigentlich gar nicht zurückziehen kann. Bei mir ist es meistens mein Handy das ich dann benutze, um etwas zu lesen oder auch mal (selten) ein Spiel zu spielen.
In den Augen anderer mag das dann vielleicht unhöflich erscheinen, aber für mich ist es manchmal die einzige Möglichkeit mich aus sozialen Ereignissen, die mich überfordern etwas zurückzuziehen.
Vor allem wenn ich viele Menschen um mich herum habe die mir unbekannt sind habe ich oft das Gefühl mich "ausblenden" zu müssen, um mich nicht zu überfordern. Günstig ist es immer wenn ich dann jemanden dabei habe den ich gut kenne, dann kann mich auf diese Person konzentrieren und es hat den Vorteil das es nicht so auffällt. Das ist aber auch eine Sache die man erst lernen bzw. erst einmal erkennen muss. Aus diesem Grund finde ich es so wichtig Menschen über Autismus aufzuklären und auch kein Geheimnis darum zu machen. Ich kann nicht oft genug sagen, dass ich es sehr wichtig finde offen darüber zu reden, denn nur so kann ein Nichtautist ein bisschen besser verstehen was in uns vor geht und das manche Verhaltensweisen nichts mit Desinteresse oder mangelhafter Erziehung zu tun haben, sondern teilweise ein Schutzmechanismus sind, die mich vor Reizüberflutung und Stress bewahren.
Vor einiger Zeit habe ich selbst gemerkt, dass es ganz schnell in einem Bournout enden kann, wenn man bestimmte Warnsignale des Körpers einfach ignoriert. Ich wollte mir selbst beweisen, dass ich bestimmte Dinge auch schaffen kann, wenn ich nur hart genug daran arbeite, aber ich musste mich eines Besseren belehren lassen.
Daher ist es wichtig die eigenen Grenzen zu kennen und rechtzeitig zu erkennen, aber wie ich glaub ich schon einige Male geschrieben habe ist das nichts was nur Autisten betrifft, sondern etwas das auch bei vielen Nichtautisten ein Problem darstellt. Es gibt nicht umsonst so viele Menschen die ein Bournout erleiden.
Ob autistisch oder nicht.....einfach öfter  mal eine Pause einlegen und auch mal darüber nachdenken, ob man sich nicht vielleicht manchmal zuviel zumutet......


Kommentare:

  1. Hallo!
    Interessanter Artikel, ich lese sehr gerne auf deinem Blog. Vielleicht magst du auch mal bei mir vorbeischauen, denn Menschen wie du - mit dem Herz am richtigen Fleck - sind die Menschen, die ich mit meinem Blog erreichen will.
    www.traumleuchten.blogspot.de

    Liebe Grüße :)

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  2. Hallo und vielen Dank !
    Ich habe schon einmal reingeschaut und werde sicher öfter auf deinem Blog vorbeischauen .....

    Viele Grüsse :-)

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  3. Hallo Mona, deine offene Berichte sind sehr interessant für mich zu lesen. Ich glaube ich bin seit 8 Jahren mit einem Mann zusammen, der Asperger Anzeichen hat und erkenne es erst jetzt. Mir wird einiges klar, wenn ich von dem Bedürfnis nach Struktur, Regeleinhaltung, Routine lese. Für mich ist dies mitunter schwer nachzuvollziehen, ebenso dass spontane Lust und Freude kaum stattfinden können. Ich hätte aber vor allem eine dringende Frage hinsichtlich der Reizüberflutung / Melt down. Wie geht man als Partner damit um, wenn dies (z. B. beim Autofahren) passiert, er agressiv wird? Was kann man tun, um den anderen zu beruhigen? Alles was ich bislang versucht habe, war wirkungslos. Es wäre toll von Dir als Betroffene einen Tipp zu bekommen. Grüsse Marit

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  4. Hallo Marit, erst einmal vielen Dank, dass du dich für meinen Blog interessierst. Ja, es ist für Nichtbetroffene oft schwierig nachzuvollziehen, aber das du dich mit dem Thema Autismus auseinander setzt und versuchst es zu verstehen, ist ja ein guter Anfang. Ich finde das super.
    Es handelt sich ja um eine Autismus Spektrum Störung d.h. das es auch von Asperger Autist zu Asperger Autist grosse Unterschiede geben kann.
    Probleme mit Reizüberflutung haben aber eigentlich alle und bei mir hilft es in diesen Momenten einfach mich an einen stillen, reizarmen und etwas dunkleren Ort zurückzuziehen, etwas zu lesen oder mich einfach vor unser Aquarium zu setzten und die Fische zu beobachten oder mit meinem Hund in den Wald zu gehen. Die Hauptsache ist dabei, dass ich alleine bin.Auch Autogenes Training und Atemübungen helfen mir ganz gut. Atemübungen Können teilweise sehr hilfreich sein , wenn man sich nicht so einfach zurückziehen kann.
    Man sollte dem Betroffenen die Möglichkeit geben sich zurückzuziehen, um sich wieder zu "sortieren". Das ist meiner Meinung nach sehr wichtig.
    Am schnellsten können wir wieder "runterfahren", wenn wir alleine sind und uns auf eine bestimmte Sache konzentrieren können (Spezialinteressen).
    Beim Autofahren ist es in diesen Momenten wichtig, dass ich mich ausschließlich auf den Verkehr konzentriere und möglichst wenig reden oder Fragen beantworten muss. Sonst habe ich aber beim Autofahren eher keine Probleme, als Beifahrer dann schon eher, besonders, wenn wir in der Stadt unterwegs sind und der Verkehr sehr unübersichtlich ist. Das hat damit zu tun, dass wir die Kontrolle nicht verlieren dürfen, solange wir die Kontrolle über die Dinge haben ist es meistens einfacher für uns mit bestimmten Situationen umzugehen.
    Das führt auch oft dazu, dass wir unnahbar oder egoistisch wirken.
    Ich hoffe mein Beitrag konnte dir etwas helfen.
    Habe jetzt auch wieder ein paar Ideen für den nächsten Post.
    Vielen Dank und viele Grüsse Mona


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