Donnerstag, 2. Mai 2013

Warum ist es manchmal so schwer uns Asperger Autisten zu verstehen?

Ein aktueller Anlass hat mich jetzt dazu bewegt auf dieses Thema einzugehen....

Ich habe schon sehr oft darüber nachgedacht, wie man einem Nichtbetroffenen erklären kann, wie wir Asperger Autisten uns in bestimmten Situationen fühlen.
Eine richtige Lösung habe ich noch nicht gefunden, aber dafür letztens im Internet eine sehr gut geschriebene Geschichte. Naja eigentlich ist diese mehr für Kinder, aber ich fand sie sehr passend.
Ich hoffe, dass ich sie wieder finde und den Link mal hier einstellen kann.

Es ist sehr schwer einem Nichtbetroffenen klar zu machen, dass es Tage gibt  an denen man einfach mal mehr Ruhepausen braucht, weil die Tage davor vielleicht sehr anstrengend waren etc.
Wir waren heute zu einer Feier eingeladen und ich habe mir die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber  die Aussicht auf eine ungewisse Menge größtenteils fremder Personen hat mich den Entschluss treffen lassen, nicht teilzunehmen und abzusagen. Leider hatte ich das Gefühl, dass das Verständnis für meine Entscheidung nicht so ganz vorhanden war. Vielleicht irre ich mich auch wäre ja nicht das erste Mal.

Für einen Autisten, auch wenn er sozial ganz gut integriert scheint, ist eine Feier mit vielen unbekannten Personen, an einem unbekannten Ort ungefähr so, als ob man einen Nichtbetroffenen auf einer unbekannten Insel aussetzt auf der Menschen leben, die er nicht versteht und die ihn nicht verstehen.
Die Menschen reden und laufen alle durcheinander, ständig kommt jemand und versucht ein Gespräch anzufangen. Irgendwann wird es so anstrengend, dass man einfach nur weg möchte.


Ein Gruppengespräch ist also fast unmöglich, weil ein Asperger  sich auf so viele Dinge, Personen etc. gleichzeitig konzentrieren muss, dass es nach kurzer Zeit zu anstrengend wird sich auch noch aktiv am Gespräch zu beteiligen.

Ist man schon so gut, dass man rechtzeitig seine Grenzen erkennt und sich der Situation entzieht, kann man einen sog. Overload vermeiden. Bei mir klappt es jetzt immer besser, aber die eine oder andere Reizüberflutung gibt es schon noch.
Am Ende werde ich noch ein paar Punkte aufschreiben, wie ich einen beginnenden Overload merke und was ich dagegen mache.

Für Nichtbetroffene ist Smaltalk selbstverständlich, für einen Asperger Autisten ist es völlig unklar, warum er sich mit Menschen, die er nicht oder kaum kennt über Dinge die ihn nicht interessieren und die er teilweise gar nicht verarbeiten kann  unterhalten soll. Das ist auch keine böse Absicht oder Arroganz, sondern einfach ein Ausdruck dafür, dass er anders denkt und viele Dinge einfach nicht filtern kann. Es fällt ihm schwer wichtig von unwichtig zu trennen. Im Gespräch und auch sonst konzentriert er sich meistens auf Details und es fällt ihm oft  schwer den Zusammenhang zu erfassen.
Im Gegensatz dazu gibt es dann aber auch Bereiche, z.B. wenn es um das Logische Denken geht, wo ein Nichtbetroffener vielleicht langsamer ist und der Asperger Autist ungeduldig wird.
Es geht mir oft so, dass ich Zusammenhänge erkenne oder Fakten einfach schneller verarbeite und mich dann Frage, warum es so lange dauert bis es bei meinem Gesprächspartner ankommt.
In diesem Fall sollte ein Asperger wie ich geduldiger werden, aber für diese Erkenntnis habe ich auch lange gebraucht.
Seitdem ich weiß, dass ich anderes bin, versuche ich die Dinge die ich nicht intuitiv kann durch bewusste Beobachtung und Analyse herauszufinden und ggf.. zu ändern.
Eigentlich habe ich das aber schon immer gemacht, ich weiß jetzt nur warum ich es so mache....
Es gibt jedoch Dinge, die sich nur bedingt ändern lassen und das ist die damit verbundene schnelle Ermüdung und die Spezialinteressen, die mir wieder Kraft für den Alltag geben, aber sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.



So erkenne ich einen beginnenden Overload:

Aufgrund der Situation kann ich natürlich schon einschätzen, ob ich gefährdet bin und meistens
kommt es am Anfang zu leichtem Schwindelgefühl und eine allgemeine Unruhe.
Ich werde dann meistens sehr ruhig und fange an mich zu räuspern und zu gähnen.
In Situationen in denen ich nicht so schnell "flüchten"kann wie z.B. beim Einkaufen etc. kommt es dann oft zu einer Tic artigen Symptomatik, wie z.B. Arme strecken, Schultern nach unten oder nach oben ziehen. Das ist aber Gott sei Dank seltener geworden. Ab und zu kommt es noch zu Zuckungen im Gesicht vor allem Mundwinkel und Augen (das hat mir schon mehrere Krankenhausaufenthalte beschert, aber jetzt kenne ich die Ursache und kann damit umgehen)

Sollte ich bemerken, dass sich ein Overload ankündigt, versuche ich mich soweit wie möglich zurück zu ziehen, auch wenn ich  für 5 Min. ins Bad gehe. Ich schließe dann die Augen und versuche mich nur noch auf mich selbst zu konzentrieren und alles andere so weit wie möglich auszublenden.
Spaziergänge mit meinem Hund helfen mir auch ganz gut. habe in einem vorherigen Post ja schon etwas über Tiere als Begleiter geschrieben..
Sollte es möglich sein, setzte ich mich an meine Pc und erstelle z.B. Listen für die Dinge die ich noch erledigen muss, schreibe oder lese etwas über die Dinge die mich interessieren.
Sammle also Informationen.
Für mich ist das wichtig, um meine Energiereserven wieder aufzufüllen, denn wo Nichtbetroffene einen    "ganzen Eimer" füllen "können, haben Asperger Autisten nur eine "kleine Tasse"zur Verfügung.
Diese Tasse ist schnell voll und man muss aufpassen, dass sie nicht überläuft.
Als Asperger Autist muss man sich, wie jeder andere auch, seine Energiereserven gut einteilen und rechtzeitig erkennen, wann man wieder auftanken muss.
Da wir aber manchmal eine etwas andere "Fahrweise" haben, passiert es uns auch ab und zu mal das wir auf halber Strecke stehen bleiben.
Im Gegensatz zu Nichtbetroffenen gehen wir den Weg bis zur nächsten Tankstelle aber lieber ganz alleine.....

Kommentare:

  1. Liebe Mona!
    Ich danke dir für diesen Blog!
    Vor einiger Zeit bin ich über Umwege in ein Forum gelangt, in dem es um psychische Krankheiten geht. Da lernte ich das "Asperger Syndrom" kennen und fand mich wieder, immer wieder und immer wieder!
    Ich bin so was von erleichtert, dass ich nicht allein bin, dass ich doch nicht spinne, dass ich einfach ein Mensch bin, der in einer Weise anders funktioniert, die offenbar bis vor kurzem keinen Namen hatte und die kaum wer kannte.

    Und jetzt weiß ich warum ich Jahrzehnte, seit ich zurückdenken kann durch so viele "Höllen" gehen musste.

    Aber vielleicht ist nun die Mauer gebrochen, vielleicht kann man sie einreißen, vor allem da ich vier Kinder habe, acht Enkel...und zwischen meinen Töchtern und mir besonders ein derart große Kluft besteht, die ich mir bis heute nicht erklären konnte...ebenso das Verhältnis zu meiner Mutter, zu Frauen allgemein...aber bei Mutter gibt es nichts mehr zu lösen, die versteht es nimmer und wird bald sterben....

    Danke für diesen Blog, danke, danke, danke!Es tut so gut mit meinen 54 Jahren endlich zu sehen, dass ich nicht allein bin, endlich von einer FRAU zu hören, wie es ihr geht mit all den Symptomen, die ich von Kindheit her hatte und bewusst oder unbewusst zu verschleiern, zu überspielen oder sonstwie der Umwelt nicht sichtbar zu machen versuchte. Es gelingt mir auch ziemlich gut bis heute, aber es ist KEIN Wohlgefühl, sich selbst gefügig in die Umwelt hineinzuprogrammieren um nur ja nicht aufzufallen....

    Und mir ist jetzt sonnenklar, warum ich am liebsten allein mit dem Hund im Wald bin...

    Liebe Grüße aus dem Burgenland von Schmutzteufel

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  2. Liebe Reanate,

    Vielen Dank für deinen Kommentar.
    Ich weiß jetzt das es auf jeden Fall die richtige Entscheidung war diesen Blog zu eröffnen, um möglichst viel über das Asperger Syndrom zu schreiben und Betroffenen und auch Angehörigen die Möglichkeit zu geben, sich über Asperger Autismus zu informieren.
    ich habe früher sehr viel darüber gelesen und mich in vielen Dingen wieder erkannt, meine Diagnose habe ich mit 36 Jahren erhalten, aber ich habe mir gedacht es ist nie zu spät, um etwas im Leben zu verändern.
    Ich freue mich sehr, dass ich dir mit meinem Blog helfen konnte.
    In Zukunft möchte ich noch viele hoffentlich interessante Posts veröffentlichen und freue mich über jeden Kommentar...

    Viele Grüsse von Mona

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