Dienstag, 7. Mai 2013


Manchmal wie Hund und Katz......



Ich habe schon sehr lange überlegt, wie man einem Nichtbetroffenen erklären kann, wie sich ein Asperger Autist in bestimmten Situationen fühlt.
Vor einer Weile habe ich eine süße Geschichte gelesen, die vor allem für Kinder ganz toll geeignet ist.....

http://chaoskatja1.npage.de/beitraege/warum-bist-du-so-anders.html


Ich habe selbst eine Katze und einen Hund und wenn ich die beiden so beobachte ist dieser Vergleich gerade zu ideal...


Die Katze ist eher ein Einzelgänger und macht die Dinge für sich, zieht sich zurück, wenn unbekannte Menschen oder Tiere in ihre Nähe kommen und braucht nicht ständig jemanden um sich herum.
Sie beobachtet erst aus einer gewissen Distanz heraus die Lange und  wenn sie sich einigermaßen sicher fühlt kommt sie hervor.
Der Hund ist ein Rudeltier und ist auf die Anwesenheit anderer Rudelmitglieder angewiesen, er fühlt sich alleine nicht wohl und sucht die Nähe des Menschen und anderer  Tiere.

 Die Katze ähnelt demnach dem Asperger Autisten, der auch gern für sich ist und sich auch aus unbekannten Situationen lieber zurückzieht, als offen drauf zu zu gehen. Auch er braucht nicht ständig jemanden um sich herum und kann sich, wie die Katze auch stundenlang mit einer Sache beschäftigen.
Der Hund ist  mit seiner offenen Art  dem Nichtbetroffenen sehr ähnlich.
Die Katze lässt Körperkontakt z.B. nur dann zu wenn sie selbst dazu bereit ist und zeigt es auch ganz offensichtlich. Sollte man bestimmte Warnsignale nicht wahrnehmen, bekommt man es meistens zeitnah deutlich zu spüren. Ein Autist sollte vielleicht nicht gleich die Krallen zeigen, aber es sollte ihm genauso gestattet sein  Nein zu sagen, wenn er  z.B. das Händeschütteln oder die Umarmung ablehnt.
Der Hund hingegen kommt freudig angelaufen, wenn man ihn ruft und nimmt die Streicheleinheiten und Spielangebote gerne an.

Leben nun Hund und Katz zusammen ( aus eigener Erfahrung kann ich sagen - das geht, man muss nur genug Geduld und einen katzenverträglichen Hund mitbringen. Das sollte man vorher testen) kommt es  am Anfang zu Kommunikationsschwierigkeiten, denn die Körpersprache eines Hundes und die einer Katze könnten unterschiedlicher nicht sein.

Der Hund kommt ins Haus und rennt schwanzwedelnd auf die Katze zu. Die Katze deutet daraus - der ist angespannt und möchte mich jagen, denn Katzen wedeln mit dem Schwanz, wenn sie angespannt und angriffslustig sind und rennen z.B. einer Maus hinterher, um sie zu jagen.
Das erste Missverständnis ist vorprogrammiert, denn der Hund freut sich und möchte gern spielen.
Die Katze antwortet mit einem "Brummen" das sich für den Hund anhört,  als ob sie ihn zum Spielen animieren  möchte und wenn die Katze jetzt noch wegläuft ist das nächste Missverständnis perfekt, denn der Hund denkt - Super die möchte auch spielen und läuft hinterher.

Sollte die Katze dann einen sicheren Ort gefunden haben, können wir  davon ausgehen, dass sie ihn für eine unbestimmte, längere Zeit, wenn überhaupt nur noch zum Klo und zum Fressen verlässt.
Sie zieht sich also zurück, weil sie die Annäherungsversuche des Hundes als feindlich gedeutet hat und sich erst einmal erholen muss.

So ähnlich geht es einem Asperger Autisten, wenn er z.B. auf fremde Menschen trifft oder Menschen trifft die er nicht so gut kennt. Es fällt ihm schwer diese Menschen einzuschätzen und die Kommunikationsschwierigkeiten, vor allem in der non verbalen Kommunikation, führen oft zu Missverständnissen und oft zum Rückzug. 
Ein Asperger Autist kann Mimik und Gestik nicht intuitiv deuten und es braucht eine längere Übungsphase, um einigermaßen erkennen zu können, wie sich der Gegenüber gerade fühlt oder was er uns sagen möchte, wenn es nicht für den Asperger verständlich auf dem verbalen Weg erfolgt.
Das erfolgt dann aber nicht intuitiv sondern auf der kognitiven Ebene.
Der Asperger Autist beobachtet und versucht sich Zusammenhänge zwischen Mimik und Gestik und den dazugehörigen Emotionen intellektuell so zu erschließen. Das bedeutet auf Dauer eine große Anstrengung und erklärt auch die Tatsache, dass Asperger deutlich mehr Ruhephasen benötigen, um sich zu regenerieren als Nichtbetroffene.

Bei der Katze ist es dann so, dass sie erst wenn sie der Meinung ist, dass sie die Situation unter Kontrolle hat  ihr Versteck verlässt und versucht am Familienleben/Rudelleben teilzuhaben.
Unsere Katze hat mit unserem Hund die Rangordnung unter vier Augen und unter Ausschluss der Öffentlichkeit geklärt. Sie bewegt sich jetzt trotz Hund wieder normal im Haus und ein Blick genügt, um unserem Hund alle Fragen zu beantworten.

Das Bedürfnis danach, eine Situation, ein Gespräch etc. unter Kontrolle zu haben ist auch oft der Grund, warum wir Asperger Autisten versuchen z.B. das Gespräch ausschließlich auf unsere Themen zu lenken oder warum Asperger Kinder versuchen im Spiel sozusagen der "Bestimmer" zu sein.
Kontrollverlust ist für einen Asperger Autisten eine sehr schlimme Vorstellung und führt fast immer zum Rückzug.

So ist es dann in vielen Fällen auch bei uns Asperger Autisten mal davon abgesehen, dass es hoffentlich  nicht so abläuft wie bei Hund und Katz. Wir passen uns irgendwann dem Familienleben/Alltag an, versuchen mitzuhalten und werden dann in vielen Dingen( äußerlich) immer unauffälliger.
Anpassung ist gut und eine gewisse Anpassung im Alltag auch sehr wichtig, aber wir und auch Nichtbetroffene dürfen nicht vergessen, dass es in jedem Fall mit großer Anstrengung verbunden und nicht immer und überall selbstverständlich ist.
Ein Asperger der in seiner gewohnten Umgebung mit seinen gewohnten Abläufen und Routinen unauffällig erscheint, kann im nächsten Augenblick durch eine (für Nichtbetroffene) Kleinigkeit in Panik geraten und seine autistischen Verhaltensweisen werden wieder offensichtlich.

Ich finde es in diesem Fall  nur wichtig, dass man zu seinem Autismus stehen kann und das die vielenVorurteile, die leider existieren hoffentlich irgendwann immer weniger werden... 



Kommentare:

  1. Sehr hilfreich! Vielen Dank.

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  2. Hallo Eva,

    ich freue mich, dass ich mit meinem Beitrag helfen konnte.

    Viele Grüsse

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