Sonntag, 7. April 2013

Warum wird das Asperger Syndrom bei Mädchen und  Frauen oft gar nicht oder erst spät erkannt? Warum werden weitaus weniger Mädchen als Jungs zur Diagnosenstellung vorgestellt?

Die Diagnosenstellung beim weiblichen Geschlecht scheint schwieriger zu sein, als beim männlichen.
Jetzt stellt sich die Frage warum?

Es wird angenommen, dass Mädchen und Frauen oft sehr früh bemerken das sie anders sind und bereits   in jungen Jahren Bewältigungsstrategien entwickeln. In erster Linie wahrscheinlich, um nicht aufzufallen.

Ausserdem neigen Mädchen und Frauen wahrscheinlich eher dazu Probleme und negative Emotionen anzusprechen und reagieren eher mit Rückzug, als mit Aggression. Nicht selten führt das zu einer Depression und es bleibt leider oft jahrelang die Hauptdiagnose, obwohl die Depression reaktiv ist, d.h. meistens aufgrund einer Überlastungssituation und/oder vermindertem Selbstwertgefühl entstanden ist. D.h. natürlich nicht, dass alle Männer und Jungs aggressiv reagieren und nur Frauen depressiv werden. Das Eine sowie das Andere ist natürlich möglich.

Des weiteren finden wir beim weiblichen Geschlecht oft weniger auffällige Spezialinteressen, wie z.B. Tiere, das Malen, Puppen etc. die vielleicht auch noch regelmäßig wechseln.

Mädchen und Frauen neigen vielleicht eher dazu die Situation ersteinmal genau zu beobachten und erst wenn sie sie durchschaut haben, steigen sie mit ein. Sie beteiligen sich also eher nicht spontan daran, sondern beobachten lange und kopieren dann bestimmte Verhaltensweisen.
Sie werden dann meistens als schüchtern, zurückhaltend, reserviert etc. beschrieben.
Meistens werden sie dann nur auffällig, wenn sie niemanden haben an dem sie sich sicher orientieren können.
Es kommt dann meistens zu Unsicherheiten, Überlastungssituationen und zum Rückzug.
Durch das Kopieren von Verhaltensweisen bleiben sie dann oft jahrelang unerkannt, aber leider ist diese Art von Bewältigung auf Dauer auch sehr anstrengend und nicht ständig zu realisieren.

Je besser sie ihre Mitmenschen/Mitschüler etc. kennenlernen und je mehr Zeit sie zum Beobachten hatten, um so sicherer werden sie bis sie, in der gewohnten Umgebung,  keinerlei Auffälligkeiten mehr zeigen.
Die Auffälligkeiten treten dann erst wieder auf, wenn sie z.B. die Kita/Schule/Arbeitsplatz etc. wechseln und sie sich wieder auf ganz neue Menschen konzentrieren müssen.
Das gilt aber glaub ich für beide Geschlechter und kann nicht ausschließlich dem weiblichen Geschlecht zugeordnet werden.

Diese Bewältigungsstrategien setzen aber auch eine durchschnittliche bis überdurchschnittliche Intelligenz voraus, die bei den meisten Asperger Autisten aber vorhanden ist.

Asperger Mädchen und Frauen haben auch meistens einen extrem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und
halten sich oft sehr strikt an soziale Regeln. Das wird wiederum als sehr sozial und gut erzogen beurteilt und ist sicher auch als eine äusserst positive Eigenschaft einzustufen.
Da man Autisten jedoch ( meiner Meinung nach völlig zu unrecht) oft nachsagt unsozial und/oder selbstbezogen u.s.w. zu sein, werden Freuen und Mädchen mit A.S. oft gar nicht oder zu spät erkannt.

Meistens ist es dann wie in meinem Fall, dass junge Frauen erst im Erwachsenenalter eine Antwort auf die Frage: Warum bin ich so anders als die anderen? suchen und sich dann die nächsten Fragen auftun :
Soll ich mich wirklich diagnostizieren lassen? Wo finde ich einen Facharzt der sich darauf spezialisiert hat?

Ich habe mich damals bei autismus-deutschland in der Erwachsenenberatung beraten lassen.
Das ist auf jeden Fall erst einmal ein großer Schritt in Richtung Diagnosenstellung.
Sie selbst führen bei Erwachsenen meines Wissens nach keine Diagnostik durch, können aber so wie in meinem Fall, bei der Vermittlung von Fachkräften helfen.
Ich habe es bis jetzt nicht bereut, aber das muss natürlich jeder für sich individuell entscheiden.



1 Kommentar:

  1. Meine Tochter (11 Jahre) ist diagnostiziert mit Asperger Syndrom. All die Jahre ist mir die Problematik gar nicht richtig als solche aufgefallen. Sie hat die besten Schulnoten, man kann sich wunderbar mit ihr unterhalten, sie ist liebevoll anhänglich, hat den gleichen Humor wie ich. Die typischen Probleme für Asperger hat sie mir selber so nach und nach erzählt worauf ich dann auch innerhalb von 8 Wochen eine Untersuchung eingeleitet habe. Womit ich schreckliche Probleme habe ist, dass mein geliebtes Mädchen,die bisher immer eher als Sonderling gesehen wurde, der aber sehr begabt ist (spielt fliessend Geige und Klavier, alle
    Noten sehr gut, nun plötzlich behindert, mit einer tiefgreifenden Entwicklungsstörung abgestempelt ist. Wahrscheinlich denkt man nun, die Mutter denkt nur an sich oder sonst was aber ich könnte nur noch weinen. Eigentlich hat sich ja gar nichts konkret verändert und doch als würde eine Welt zusammenbrechen und ich habe Angst um die Zukunft meines Kindes. Ich traue mich mit niemandem darüber zu sprechen aus Angst sie könnte ab dann anders gesehen und behandelt werden. Nur ihre Lehrer sind informiert, damit sie zumindest Verständnis und Entgegenkommen bekommt in Sachen Sport, alleine in der Pause, Gruppenarbeit usw. Irgentwie finde ich dass alle Menschen mit Asperger Syndrom diskriminiert werden wenn sie als gestört und behindert gesehen werden. So viele gestörte und behinderte Wissenschaftler???























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