Donnerstag, 18. April 2013

Asperger Syndrom und Familie 


Das Asperger Syndrom bringt einige Schwierigkeiten mit sich und wenn sich ein Asperger Autist dazu entschließt eine Familie zu gründen steht er Verpflichtungen gegenüber, die er natürlich so gut wie möglich erfüllen sollte. 

Ich selbst habe erst erfahren, dass ich Asperger Autistin bin, als ich bereits eine Familie hatte. 
Es ist oft schwierig die Interessen der Familie und die eigenen Interessen miteinander zu kombinieren. 
Die Spezialinteressen fordern Zeit, die oft sogar bei Nichtbetroffenen sehr knapp bemessen ist, wenn man Kinder und einen Haushalt hat. Ich selbst habe das Glück, dass ich mir meine Arbeit flexibel einteilen und von zuhause aus arbeiten kann, damit bleiben mir im Moment  feste Arbeitszeiten und Fahrzeit erspart. Ausserdem habe ich in dieser Zeit meistens Ruhe und kann mich auf diese Dinge konzentrieren ohne das ich noch zusätzliche Energie für Gespräche mit Kollegen z.B. aufbringen muss. 

Ich bin jetzt dabei mir einen festen Tagesplan mit festgelegten Zielen zu erstellen, damit ich diese am Ende des Tages überprüfen kann und nicht einfach nur drauf los arbeite. 
Die Vergangenheit hat mir gezeigt, dass es für mich sehr ineffektiv ist, wenn ich einfach drauf los arbeite ohne es vorher zu planen. 
Leider passiert es noch sehr oft, dass meine Planung durcheinander gerät und ich neu planen muss. 
Nichtbetroffenen können es oft nicht verstehen, dass ich das machen muss, aber auch sie schreiben sich z.B. einen Zettel zum Einkaufen o.ä.. Ist eigentlich nichts anderes, nur bei mir müssen die Planungen einfach detaillierter sein. 

Frage mich öfter was andere Asperger Autisten so für Bewältigungsstrategien für Alltagsdinge  haben und lese auch öfter mal in Foren, um mir den einen oder anderen nützlichen Tip zu holen.
Im Gegensatz zu den Vorurteilen die oft existieren, dass Autisten sich nicht dafür interessieren was andere tun, finde ich es sehr wichtig zu lesen oder zu hören was andere so machen.
Der einzige Unterschied ist glaub ich, dass ich selbst nach diesen Antworten suchen möchte und es nicht mag wenn mir jemand (meistens Nichtbetroffene) ungefragt permanent gute Ratschläge gibt. 

Manchmal ist es schwierig sich abzugrenzen und zu sagen, dass man einfach mal eine Auszeit braucht, gerade wenn man Kinder hat kann es oft mal anstrengend werden. 
Meine Kleine ist sehr wissbegierig und intellektuell sehr weit für ihr Alter.Sie redet viel und gern und schafft es sogar Nichtbetroffene an  ihre Grenzen zu bringen. Sie weiß ganz genau was sie will und kann das auch durchsetzen (finde ich übrigens eigentlich sehr gut und werte es als Stärke).

Ich habe es für mich so geregelt, dass es Zeiten gibt in denen ich mich ausschließlich mit ihr beschäftige und Zeiten in denen ich meine Dinge erledige und möglichst nicht gestört werde (Notfälle natürlich ausgenommen). Wir sprechen es vorher ab und versuchen es gemeinsam zu entscheiden. 
Leider habe ich das nicht immer so geschafft und es gab Zeiten in denen ich versucht habe mich ausschließlich ihr zu widmen (so wie sie es gefordert hat) , aber das hat auf Dauer nicht funktioniert. Ich wurde unzufrieden und es ging mir selbst nicht gut dabei. Sie hat in dieser Zeit  verlernt sich allein zu beschäftigen und damit waren Erschöpfungszustände meinerseits am Abend vorprogrammiert. 
Jetzt klappt es bis auf einige Ausnahmen im Normalfall ganz gut. 

Ähnlich ist es natürlich auch mit dem Partner, der sicherlich auch oft an seine Grenzen gerät, weil das Leben mit einem autistischen Partner auch nicht immer leicht ist. 
Da ist es sinnvoll sich  beraten zu lassen, sich die Besonderheiten des Asperger Syndroms von einem Fachmann erklären zu lassen, in Foren oder in Blogs zu lesen (auch ein Hauptgrund von mir in meinem Blog über das Asperger zu schreiben). 
Es kann auch hilfreich sein den betroffenen Partner selbst zu fragen, ihn selbst erklären zu lassen, wie er die Dinge sieht, um es besser zu verstehen...
Man sollte viel miteinander reden und Probleme  möglichst gleich ansprechen, um Missverständnisse in der Kommunikation zu vermeiden.
Der Partner sollte etwas Verständnis für die Spezialinteressen aufbringen und Zeiten zulassen in denen der betroffene Partner sich diesen Dingen ungestört widmen kann.  Da kann es hilfreich sein, diese Zeiten genau abzusprechen und gerecht aufzuteilen ( denn der Partner brauch natürlich genauso Freiräume). Wir hatten oft das Problem, dass ich an meinem Thema zu ungünstigen Zeiten gearbeitet habe (z.B. wenn wir weg wollten, einen Termin hatten oder es sonst irgendwie ungünstig war).

Beim Haushalt etc. ist es wichtig, dass ich ohne größere Störungen arbeiten kann, Unterbrechungen machen es schwierig wieder zum Eigentlichen zurückzufinden. 
Außerdem kann es hilfreich sein, sich immer nur auf eine konkrete Aufgabe zu konzentrieren und dabei zu bleiben, sonst verliert man rasch den Überblick. 

Das Wichtigste ist ein strukturierter Tagesablauf mit möglichst wenig Störungen und eine genaue Planung für die täglichen Aktivitäten und den Alltag. 
 Termine genau planen und nicht zu viele an einem Tag.
 Realistische Ziele setzten und sog. Nahziele formulieren ( Unterziele die dann zum Hauptziel führen)
 In kleinen Schritten planen und detaillierte Informationen können helfen. 
Pausen einlegen zum regenerieren, nicht erst warten bis es zum sog. Overload kommt.

Man kann nur gut für Andere sorgen, wenn man selbst genug Energiereserven hat!

Diese Energiereserven müssen aufgetankt werden und das machen Asperger Autisten vielleicht ein wenig anderes als Nichtbetroffene. 


Auch hier kann ich wieder auf das Buch "Ein ganzes Leben mit dem Asperger Syndrom " hinweisen, dass einen sehr guten Einblick auch für Angehörige von Asperger Autisten bietet.

Auch das Buch "die kleine Spinne" von Katja Carstensen ist sehr zu empfehlen und auch für Kinder sehr niedlich geschrieben.




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